Dein Sternenkind

Seit Mitte 2018 bin ich am grübeln. Es hat mich über ein Jahr begleitet. Eine Entscheidung zu treffen. Kann ich das? Bin ich der richtige dafür? Schaff ich das? Und immer der Gedanke: du bist kein Profifotograf. Aber deine Bilder kommen immer wieder gut an und schaffen Freude und Erinnerungen. Dann kam Weihnachten 2019. Freitag der 13. Und wieder kam es mir in den Sinn. Ich rief spontan die Seite auf „Dein Sternenkind“. Und ich bewarb mich einfach ohne nochmals viel nachzudenken.  Ich erstellte ein Portfolio und einen Bewerbungstext dazu. 

Am 21.12.19 klingelte mein E-Mail Postfach. Und ich bekam die Meldung: „Wir haben uns Dein Portfolio angesehen und freuen uns auf Deine Mitarbeit.“. Nun war es soweit. Nun hieß es etliche Videos ansehen zur Vorbereitung. Die Alarm-App installieren und sich im Fotografen-Forum anmelden. Im Forum hab ich erstmal die vielen Einsatzberichte verschlungen und viele Bilder betrachtet. Dies war auch gut so. So konnte man sich schon mal vorstellen was mich bei einem Einsatz erwartet. Ich verfolgte die „Calls“ die über die Alarm-App kamen und im Forum an die Fotografen verteilt wurden. Und dann wieder die Frage nach dem schaff ich das? Die Einstellungen der Kamera hab ich blind drauf. Ebenso mit Licht umzugehen. Technisch sollte das kein Problem sein. Noch schnell ein Makroobjektiv bestellt. Und Kontakt zu Herzenssachen aufgenommen. Die haben mich mit einem „Starterset“ ausgestattet an Babykleidung und Einschlagdecken. Darüber war ich sehr glücklich. 

Von nun an legte ich mein Handy nicht mehr zur Seite. Es könnte ja jeden Moment ein Einsatz alarmiert werden. Und dies lies auch nicht lange auf sich warten. Da aber beide Einsätze relativ weit weg waren stellte ich mich als Backup zur Verfügung falls jemand ausfiel. Aber bei beiden Einsätzen wurde ich nicht benötigt. In dem Moment war ich sehr froh. Irgendwie waren doch noch Hemmungen da. Aber meine Entscheidung stand ja eigentlich. Klingt komisch, ist aber so.

Mein erster Einsatz:

Und dann kam im Januar 2020 der Call in einer nahen Klinik. Eigentlich wollte ich nur wieder Backup machen. Aber im Forum wurde ich gefragt ob ich Kontakt mit den Eltern aufnehmen kann. Mein erster Gedanke: ich will nicht. Aber ich sagte zu. Also gab ich mir noch eine Stunde Zeit und beendete das Gassi bevor ich die Mutter anrief. Mein Herz überschlug sich fast und mein Magen hing zwischen den Kniekehlen. Die Mutter war relativ gefasst und der Kontakt verlief angenehm. Die erste Hürde war geschafft. Ich bot mich als Fotograf an und versprach der Familie zu jeder Nacht und Tagzeit zur Verfügung zu stehen. Im Hintergrund haben sich auch noch Fotografen als Backup angeboten. Das beruhigte. 

Dann kam gleich mitten in der Nacht der Anruf vom Vater. So packte ich um drei Uhr morgens meine Kamera und Kleidungstaschen und fuhr in die Klinik. Dort erstmal durchgefragt wo ich denn hin muss. Ich war die ruhe selbst. War selbst von mir überrascht. Und dann traf ich auf die Eltern. Das verstorbene Baby (36. SSW, Erbkrankheit) lag in den Armen seiner Mutter. Wow. Ein schönes Kind. Und es machte klick in meinem Kopf. Ich blendete alles aus und wollte nur noch für die Familie da sein. Mit der Kamera in der Hand stellte ich mich vor und war schon im Gespräch mit den Eltern. Wir besprachen was wir vorhaben und wie es abläuft. Ich machte ganz nüchtern ausgedrückt meinen Job. Fotos vom Baby, mit den Eltern und Detailaufnahmen. Nach einer dreiviertel Stunde verabschiedete ich mich mit knapp 180 Fotos auf der Speicherkarte. Und ich war froh bei den Eltern gewesen zu sein und sie in der ersten Stunde nach der Geburt begleitet zu haben.

Zuhause ging es erst nochmals in Bett. Eine Stunde wenigstens schlafen. Danach machte ich mich an das Bearbeiten der Fotos. Noch USB Sticks und Verpackungsmaterial bestellt mit dem DSK-Logo. Datensicherung durchgeführt auf dem DSK – Server. Und zusätzlich noch ein paar Fotoabzüge für die Eltern bestellt. 

Ich hoffe damit Erinnerungen für die Eltern geschaffen zu haben die Sie sonst nicht hätten. Vielleicht die einzigste Erinnerung. Meine Entscheidung habe ich nach meinem ersten Einsatz nicht bereut und habe deshalb immer mein Handy dabei falls ich wieder benötigt werden sollte. Ich bin bereit.

Ein Dank auch an meine Familie und alle die mich mit Wort und Tat ermutigt haben und begleiten. Auch den beiden Freundinnen die sich sofort bereit erklärt haben für mich zu nähen und häkeln und schon aktiv dabei sind. Ihr seid Klasse.

 

Wenn du mehr erfahren möchtest über die Arbeit von mein Sternenkind oder aber Spenden möchtest findest du alle weiteren Informationen unter https://dein-sternenkind.eu/

 

BEVOR ES ZU SPÄT IST

„Jedes Leben besteht aus einer Kette von Reisen. Die Länge der Kette können wir allerdings nicht selbst bestimmen. Manche Kette hält wenige Wochen, eine andere ganze Monate und die nächste vielleicht viele Jahrzehnte. Dennoch kann auch eine kurze Kette viele Reisen bündeln. Wir möchten, dass Ihr Kind nicht nur im Gedächtnis bleibt, sondern auch in greifbaren Objekten auftaucht.“

– Kai Gebel – Initiator –

Dein-Sternenkind ist Preisträger des Deutschen Engagementpreises 2017